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Blei im Angelsport – und warum die Diskussion manchmal seltsam wirkt

  • 1. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 2. Mai


Trotz weltweiter Krisen, massiver Umweltverschmutzung durch Industrie, Kriege und deren Kollateralschäden wurde wieder mal ein Beschluss gefasst, der zwar erst in 3-5 Jahren in Kraft treten soll, der sich aber bereits jetzt in die Liga zusammen mit dem Verbot der Plastik-Trinkhalme einreihen kann.

Viele Angler bleiben dabei mit einem gewissen Stirnrunzeln zurück – nicht aus Ablehnung gegenüber Umweltschutz, sondern wegen der gefühlten Schieflage. Für viele wirkt das erneut wie ein Schuss aus Richtung Anglerhasser und „Ökoterroristen“ innerhalb der EU.

Blei in der Umwelt ist ohne Frage ein ernstes Thema. Aber wenn man ehrlich hinschaut, dann kommt der größte Teil nicht aus dem, was am Wasser passiert. Statistisch gesehen ist der Anteil an der Bleiverschmutzung durch Angler verschwindend gering – weit unter einem Prozent.

Die großen Mengen stammen aus Industrie, Bergbau, Metallverarbeitung, Batterieproduktion und den Altlasten vergangener Jahrzehnte. Das sind gewaltige Einträge, die über Jahre und Jahrzehnte die weltweite Belastung geprägt haben.

Das Angeln dagegen spielt sich in einer völlig anderen Größenordnung ab: kleine Gewichte, punktuelle Verluste, ein Freizeitbereich von Millionen Menschen – aber eben kein industrieller Massenstrom.

Und trotzdem landet der Blick wieder einmal auf uns.

Für viele Angler entsteht dadurch ein merkwürdiges Gefühl. Nicht im Sinne von „man ist dagegen“, sondern eher: Warum genau dieser Fokus?

Denn wer nüchtern auf die Zahlen schaut, erkennt schnell: Der Angelsport ist global gesehen ein sehr kleiner Teil des Problems. Kein Treiber, kein Hauptverursacher, eher ein Randbereich in einem viel größeren System.

Aber er ist sichtbar, direkt am Wasser, direkt greifbar. Ein Sündenbock – zur Erleichterung des grünen Gewissens.


Die Realität am Wasser ist uns nicht egal

Jeder, der ehrlich ist, weiß: Verlorene Gewichte bleiben nicht einfach verschwunden. Sie liegen im Sediment, werden von der Strömung bewegt und können von Tieren aufgenommen werden.

Das ist real. Und genau deshalb beschäftigen sich Angler selbst schon lange mit Alternativen und verantwortungsvollerem Materialeinsatz. Es gibt immer mehr Alternativen, und sie werden genutzt, insofern sie brauchbar sind. Kein Angler verliert gerne einen Köder, und kein verantwortungsbewusster Angler lässt irgendwelche Utensilien am Wasser zurück.


Zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit

Vielleicht liegt der eigentliche Konflikt gar nicht im Blei selbst, sondern in der Wahrnehmung. Unsere Gesellschaft braucht scheinbar Sündenböcke, um besser schlafen zu können. Und so verschiebt sich die Aufmerksamkeit manchmal dorthin, wo das Problem am leichtesten zu greifen ist – nicht unbedingt dorthin, wo es am größten ist.

Ein nüchterner Blick hilft mehr als laute Urteile. Kein Angler hat ein Interesse daran, Gewässer zu belasten. Im Gegenteil: Gerade weil wir so viel Zeit am Wasser verbringen, ist der Wunsch nach intakten Lebensräumen sehr direkt und persönlich.

Und vielleicht wäre genau das der Punkt, der in der Diskussion manchmal verloren geht: Dass man Umweltprobleme ernst nehmen kann, ohne dabei die Größenordnung aus dem Blick zu verlieren.

Für mich hat das Thema einen bitteren Beigeschmack.

Als Fliegenfischer nutze ich ohnehin Wolfram oder Messing, welche keine bekannten Giftwirkungen auf Gewässer haben.

Ich würde mir wünschen, dass die wirklichen Probleme bevorzugt behandelt werden, anstatt wieder einmal dem System „Brot und Spiele“ zu verfallen.

Den Medien, und vor allem den Redakteuren und Journalisten, würde ich gerne mit auf den Weg geben, ihre Emotionen und persönlichen Vorlieben außen vor zu lassen, denn im Gegensatz zu mir werden sie dafür bezahlt, sachlich und neutral zu bleiben immerhin ist der Beschluss noch nicht in Kraft.


Eine reale Wirkung auf die Umwelt wird das wahrscheinlich kommende Verbot nicht haben, aber die Industrie wird es freuen, sie kann neue Produkte anbieten und verkaufen und alle machen mit..


 Claude

 

 
 
 

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